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Troja

Der Film zur Legende

Troja, Kino, Kinoprorgamm, München Seit Winkelmann die Welt Homers entdeckte, hat es immer wieder Wellen der Antike-Begeisterung gegeben. Erwähnt seien hier nur die historistische Literatur des 19. Jahrhunderts, die Stummfilmzeit oder die Phase der ausgehenden Fünfziger Jahre, in denen die schweinsledernsten aller Historienschinken entstanden. Es scheint eine Tendenz zu geben, in Phasen der allgemeinen Krise Halt zu suchen in der antiken Mythologie. Das mag man Eskapismus nennen, oder nur einfach Sehnsucht nach einer lange verlorenen Unmittelbarkeit. Damit wäre also ein Erklärungsmuster gefunden für den neuerlichen Griff der Literaten und Filmemacher in die Vergangenheit. Allein drei Produktionen rund um Alexander den Großen sind derzeit in Arbeit, ebenso wie eine Fortsetzung von „Gladiator“, des so überaus erfolgreichen Vorreiter des neuen Sandalen-Films. Marlon Brando als Marc Anton, Peter Ustinov als Nero oder Kirk Douglas als Spartacus – wer in seiner Freizeit nicht emsig in Herrscher-Genealogien wühlte, für den schob sich langsam das Kino vor die belegbaren Tatsachen. Dass Kleopatra beileibe nicht so hübsch war wie Liz Taylor, ist nur einer der Fehler, die mit den Dezennien das Bild der alten Römer und Griechen verzerrten. Großartige Filme waren dennoch viele dieser oftmals recht kruden Interpretationen. Ein großartiger Film ist auch „Troja“, das neueste Spektakel von Wolfgang Petersen. Historisch gesehen ist manches zweifelhaft, was Petersen da in Anlehnung an Homers Versepos Ilias auf die Leinwand zauberte. Der Krieg der griechischen Stämme gegen Troja dauerte nicht nur ein paar Tage. Die Homoerotik Homers kommt bei Petersen ebenso wenig zum Tragen wie die gesamte Götterwelt, und die Sache mit dem Pferd hat sowieso erst Gustav Schwab ausgewalzt. Doch nur diese Marginalien aufzuzählen, wäre zu eindimensional-altphilologisch gedacht. Die Geschichte rund um die Entführung der schönen Helena von Sparta durch den verliebten Jüngling Paris und den daraus resultierenden Kampf der Griechen um Troja funktioniert bei Petersen. Nur das zählt im Kino

Troja, Kino, Kinoprorgamm, München Der Erfolg von „Troja“ ist in erster Linie Petersens kluger Bearbeitung des Stoffes und seiner geschickten Regie zu verdanken. Rund um den Kriegshelden Achill arrangiert er sein Kriegsdrama. Das kann ihm aber wirklich niemand zum Vorwurf machen, schließlich ist dadurch der Geist der Ilias treffend eingefangen: „Singe den Zorn, o Göttin, des Peleiaden Achilleus“. Exakt befolgt Petersen diesen ersten Vers. Überlegt straffte er, wo es nötig war, ergänzte als Zugeständnis an die Sehgewohnheiten des breiten Publikums die Auftritte Achills um eine Liebesgeschichte, ließ dessen Antagonisten Hector noch menschlicher erscheinen und die zänkischen Könige Menelaos und Agamemnon noch korrupter. Daraus ergibt sich ein sehr klassischer Spielfilm-Plot, der in seiner exzellenten Besetzung und Kameraarbeit derzeit seinesgleichen sucht. Für eine solche Rolle sei er Schauspieler geworden, erklärte Brad Pitt seinen Part des Achill. Und wer Pitt immer noch als den ambitionierten Schönling abgetan hatte, kommt nun nicht mehr umhin, ihn als ernsthaften Darsteller anzuerkennen. Von einem Boten aus dem Schlaf gerissen, eilt er verspätet zum Schlachtfeld, um dort seinen ersten Zweikampf zu bestehen. Man mag seine Augen nicht von Pitts Gesicht abwenden, das von der anfänglichen Schläfrigkeit allmählich zu kämpferischem Furor wechselt, ehe er sich im gestreckten Galopp seinem Gegner entgegen wirft. Petersen verherrlicht die alten Griechen aber keineswegs zu mythischen Heroen, die noch vollsten Körpereinsatz und schmucken Bizeps zeigten für ihre gerechte Sache. In seiner Interpretation Homers ist rasch klar, dass es niemandem mehr nützt, ein ganzer Kerl zu sein inmitten einer gigantischen Materialschlacht. Dass die Anführer nicht immer moralisch integer handeln, dass Gefallene von ihren Frauen beweint werden, und dass sich im Getümmel nicht mehr erkennen lässt, warum und gegen wen man eigentlich gerade fechten muss. Die Parallelen zur aktuellen US-Politik erscheinen oft unerwartet deutlich. In den elegant fotografierten Kämpfen und den grandiosen, postkartenschönen Totalen liegt der Reiz dieses neuen Monumentalfilm-Booms in Hollywood. Gerade hier liegt auch die große Stärke von Regisseur Petersen. Das Menschlich-Allzumenschliche, das weiß man seit „Das Boot“, liegt dem Mann aus Nordfriesland weniger. Männer unter sich, mit golden schimmernden Brustpanzern, da kann er eine Spannung erzeugen wie kaum ein anderer. Bei den kurzen Gefühlsaufwallungen gegenüber Damen, da versagt Papa Petersens Phantasie leider ein wenig. Virilität, nackte Haut und Heldentum – ja, aber bitte ohne Frauen. Und plötzlich ist man doch wieder bei der Homoerotik, die im US-Kino stets so beherzt vermieden wird.

kinostart: 13. mai 2004

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genre: Action, Historienfilm länge: 160 min Original: Troy Darsteller: Brad Pitt, Eric Bana, Orlando Bloom, Troja Regie: Wolfgang Petersen, Troja Drehuch: David Benioff, Drehjahr: 2003 FSK: 12 Starttermin: 13.05.2004 Offizielle Website ]

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Geschichtlich vielleicht nicht ganz korrekt, aber dennoch ein ganz großer Film, in dem Brad Pitt hervorragend ist!

sys-co sagt: e-bert sagt:

Ein gewaltiges Spektakel, das gekonnt inszeniert wurde! Trotzdem erinnert mich "Troja" ein wenig an die fürchterlichen Sandalen-Filmchen aus der Cine-Città!




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