'Dumm gelaufen' ist das damals, sagt er. Jan war ein Teenager, als er mit einem gleichaltrigen Kumpel aus einer Laune heraus ein dreijähriges Kind entführt. Der kleine Junge will fliehen, stürzt unglücklich und bricht sich das Genick. Das Missgeschick wollte niemand glauben, die Haftstrafe fiel entsprechend aus. Viele Jahre später ist Jan (Pal Sverre Valheim Hagen), längst ein erwachsener Mann, wieder auf freiem Fuß. Er wagt sich zögerlich in die Freiheit, fängt als Organist in einer Kirche an und knüpft zarte Bande zu der jungen Pastorin.
Doch die souveräne Regie des norwegischen Regisseurs Erik Poppe lässt keine kuschelige Idylle aufkommen. Immer wieder unterbrechen bestechend klare Rückblenden zu dem Tag der Entführung Jans Alltag. Mit kurzen Erinnerungsblitzen macht Poppe deutlich, dass hier einer seine Tat nicht verdrängt und immer noch daran leidet. Dadurch lässt sich auch erklären, warum die zweite Hälfte der Geschichte aus der Sicht von Agnes (Trine Dyrholm), der Mutter des verunglückten Kindes, erzählt wird.
Dieser Kunstgriff ermöglicht es, beide Seiten der Geschichte gleichwertig darzustellen.
Die Frage, ob einer, der inzwischen geläutert ist, ein Leben lang für seine Jugendsünden büßen soll, beleuchtet Poppe aus unterschiedlichen Blickwinkeln. Die elegante Kameraführung schöpft das hohe dramatische Potential des Plots aus. Dabei sind zwar manche Szenen eher platt-plakativ, andere dafür in ihrer subtilen Spannung einfach perfekt. Dass Poppe kein Freund der Improvisation zu sein scheint, bemerkt man am gesamten artifiziellen Arrangement - besonders aber an den großartigen Orgelkompositionen.