Die Frau ist am Ende. Ohne jeden Zweifel. Tagein, tagaus kümmert sich die junge Nomadin Tuya (Yu Nan) um ihren schwerkranken Mann Bater, die zwei Kinder, die über 100 Tiere, den Haushalt. Aber jetzt übersteigt diese immense Last ihre Kräfte. Ein zweiter Ehemann muss her, der sie bei der Arbeit entlastet. Doch Bater, der erste Mann, der nach einem Arbeitsunfall nicht mehr laufen kann, soll weiterhin bei der Familie leben dürfen. Es dauert, bis Tuya endlich einen Mann findet, der ihr zusagt und der mit dem Arrangement einverstanden ist.
So genau und unsentimental wie in einem Dokumentarfilm beobachtet der junge chinesische Regisseur Wang Quan'an den Passionsweg dieser bemerkenswerten Frau. Die unprätentiöse Yu Nan ist der Dreh- und Angelpunkt des gesamten Films. Sie ist auch die einzige ausgebildete Schauspielerin. Das restliche Personal wird gebildet von sehr talentierten Laiendarstellern. Nicht nur deswegen erinnert 'Tuyas Hochzeit' stark an die Filme der HFF-Absolventin Bayambasuren Davaa, an 'Die Geschichte vom weinenden Kamel' und 'Die Höhle des gelben Hundes'. Hier wie dort stehen großenteils keine ausgebildeten Schauspieler vor der dokumentarisch eingesetzten Kamera. Und beide Filmemacher zeigen bei genauer Betrachtung immer dieselbe Geschichte, verbrämt mit einigen Nuancen: Sie fangen in Atem beraubend schönen Bildern, die man lange nicht vergessen kann, den unaufhaltsamen Untergang der mongolischen Nomadenkultur ein. Das war bei etwa Davaa das kunterbunte Plastikgeschirr im Nomadengepäck, das ist bei Quan'an der riesige schwarze Mercedes. Der Regisseur zeigt mit sanfter Ironie, wie die Auswirkungen der Globalisierung mittlerweile die letzte Jurte erreicht haben. Und mit großer Ernsthaftigkeit, wohin das die Menschen in der Inneren Mongolei führen wird.