Vaya con dios
Geh' mit Gott
Das bankrotte Kloster des Cantorianer-Ordens in Brandenburg muß schließen,
als auch noch die
letzte Sponsorin abspringt. Benno (Michael Gwisdek), Tassilo (Matthias
Brenner) und Arbo (Daniel
Brühl), die einzigen noch im Kloster beheimateten Mönche, machen sich auf
den Weg nach Italien,
um dort fortan mit ihren Kollegen zu leben. Das klingt im Zeitalter von
Flugzeug, Eisenbahn und
Automobil nicht allzu kompliziert, doch ein echter Cantorianer lebt wie im
Mittelalter, geht zu Fuß
und spricht nur wenn es unbedingt sein muß Lateinisch. Was nun kommt,
erinnert anfangs in
seiner knappen Situationskomik an Detlev Bucks Roadmovie "Wir können auch
anders", in dem
zwei Analphabeten durch Ostdeutschland irren. Nichts gegen Bucks nach wie
vor besten Film, aber
Zoltan Spirandelli, Regisseur von "Vaya con dios", bleibt nicht beim
Komödiantischen, sondern geht
noch einen Schritt weiter. Der Zusammenstoß von religiöser Askese und
weltlicher
Vergnügungssucht ist gewaltig, die sich daraus ergebenden Situationen sind
witzig und äußerst
liebenswert. Sie schaffen aber auch den Spagat vom amüsanten Lustspiel zur
exakt beobachteten
Gesellschaftskritik. Das ist einer Inszenierung zu verdanken, die den
filigranen Charme des
Drehbuchs in die passenden Bilder überträgt. Auf ihrer Wanderung nach
Italien begegnen die drei
Mönche der jungen Fotografin Chiara (Chiara Schoras), und Arbo hat zum
ersten Mal in seinem
Leben einen Fotoapparat in der Hand. Er soll eine Aufnahme von Chiara
machen, drückt aber nicht
auf den Auslöser. Als sie ihn ungeduldig dazu drängt, fragt er verwundert:
"Wie kann ich einem
bestimmten Augenblick den Vorzug vor allen anderen geben?".
Es sind Szenen
wie diese, die
einem das weltfremde Trio sofort ans Herz wachsen lassen. Da macht es auch
nichts aus, dass die
Handlung selten wirkliche Überraschungen birgt Spirandelli verlässt sich
ganz zu Recht auf sein
großartiges Ensemble Gwisdek-Brenner-Brühl, denen man auch beim Vorlesen des
Alten
Testaments zuhören könnte. Jeder der Schauspieler für sich verleiht seiner
Figur ganz pointierte
Charakterzüge. Für jeden Mönch hält nämlich die profane Wirklichkeit eine
andere Versuchung
bereit: Beim jungen Arbo, dem außer der klostereigenen Ziege Hildegard
bislang nur Männer vor
die Augen traten, ist es natürlich die holde Weiblichkeit in Gestalt von
Chiara, die ihn hinan zieht.
Der gemütliche Tassilo strandet am mütterlichen Herd und will sich am
liebsten gar nicht mehr von
Mamas Küchentisch und den darauf gebotenen Lieblingsspeisen fortbewegen. Und
der ehrgeizige,
wissbegierige Benno gerät plötzlich in die Fänge der Jesuiten, die ihn mit
ihrer üppig bestückten
Bibliothek alter Handschriften locken.
Spirandellis "Vaya con dios" ist alles: Komödie, Krimi, Liebesgeschichte,
Roadmovie und ein Film
über Glauben und Freundschaft. Aber vor allem besitzt er das Potential, sich
ins Gedächtnis der
Zuschauer einzufräsen mit seinen herrlichen Bildern. Bilder, die ein Feuer
entzünden und sich auf
der Netzhaut einbrennen.
infos über den film im internet: [ vayacondios-derfilm.de ]
kinostart: 28. märz 2002
[ Diese Filmkritik weiterempfehlen ]genre: Komödie
länge: 106 min
Original: Vaya con Dios
Darsteller:
Michael Gwisdek, Daniel Brühl, Matthias Brenner,
Regie:
Zoltan Spirandelli,
Drehuch:
Zoltan Spirandelli,
Drehjahr: 2001 FSK: 6
Starttermin: 28.03.2002 [ Offizielle Website ]
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<ug>
ein richtig süsser film! grossartig!
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echt nett! erinnert mich an wir "können auch anders"!
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