Vergiss mein nicht
Jim Carrey mal anders
Ein kalter, grauer, regnerischer Morgen. Joel Barish steht am Bahnhof und wartet auf den Zug. Umgeben von vielen anderen Pendlern fährt er zur Arbeit. So wie jeden Tag. In nur wenigen, sehr präzisen Einstellungen gelingt es Michael Gondry in „Vergiss mein nicht“, ein Bild für das zu finden, was der gesamte Spielfilm ausführlich beschreibt: Der Mensch lernt nie dazu, er wird sich immer wieder in die gleichen – falschen oder passenden – Selbstentwürfe verrennen, er ist zwanghaft zum Scheitern verurteilt in seinem lächerlichen Suchen nach dem Glück.
Dies ist im groben der pessimistische Grundton von „Vergiß mein nicht“.
Angesichts der Ernsthaftigkeit, mit der Gondry hier Probleme des Daseins wälzt, überrascht die Besetzung der Titelrolle mit Jim Carrey. Der fiel bislang eher mit seichten Komödien im Stile von „Dumm und dümmer“ auf. Carreys Wunsch, sich nicht mit Grimassenschneidereien zufrieden geben zu wollen, wird in „Vergiss mein nicht“ überdeutlich. Da lernt er als Joel am Strand von Montauk die zauberhafte Clementine (Kate Winslet) kennen. Eine unebene Liebesgeschichte wird in raschen Bilderfolgen erzählt. Die überdrehte Clementine und der schweigsame Joel passen nicht zusammen. Punkt. Doch da, wo andere Filme nach 90 Minuten enden, setzt der Franzose Gondry erst ein. Clementine lässt von einer Firma sämtliche Erinnerungen an Joel aus ihrem Gedächtnis löschen. Zur Information erhält Joel eine Mitteilung darüber – und beschließt, das selbe zu tun.
Charlie Kaufman hat das Drehbuch zu „Vergiss mein nicht“ geschrieben. Auf dessen Konto gehen bereits Erfolge wie „Being John Malkovich“ und „Adaption“, und auch diesmal spielen sich die Dramen ausschließlich in den Köpfen ab. Auf seine sehr eigenwillige, phantasievolle Art zeigt Kaufman, wie sehr Menschen von ihren Erinnerungen definiert werden. „Vergiss mein nicht“ strotzt nur so vor optischen Gags. Gerade in den ersten Minuten werden wirklich noch nie da gewesene visuelle Tricksereien mit einer solchen Rasanz serviert, dass man als Zuschauer nur noch begeistert nach Luft schnappt. Diese Bilder sind pure Kinomagie, und der ehemalige Videoclip-Regisseur Gondry versteht sich auf sein Handwerk, die perfektesten Illusionen zu zaubern. Doch Kaufmans Drehbuch krankt wie alle seine Vorlagen am dritten Akt: Er ist genial im Aufbau und in der Ausarbeitung der Geschichten, aber die Auflösung klappt nie. Auch nicht in „Vergiss mein nicht“.
kinostart: 20. mai 2004
[ Diese Filmkritik weiterempfehlen ]genre: Komödie, Liebesfilm
länge: 112 min
Original: Eternal Sunshine of the Spotless Mind
Darsteller:
Jim Carrey, Kate Winslet, Elijah Wood,
Regie:
Michel Gondry,
Drehuch:
Charlie Kaufman,
Drehjahr: 2004 FSK: 12
Starttermin: [ Offizielle Website ]
wo läuft der film in münchen? [ Vergiss mein nicht (2004) im kinoprogramm ] Bei amazon.de gibt's [ Soundtrack und Buch ] zum Film
<pg>
Ein echter Kaufman: Seltsam und Genial! Aber auch ganz am Ende nicht so gut!
|  |
 |
Genial! Eine großartige Geschichte mit fantastischen Bildern! Das Gespann Kaufman und Gondry ist genial!
|
|