'Wenn wir den Dritten Weltkrieg verhindern wollen, müssen wir verhindern, dass der Iran Atombomben herstellen kann.' Sätze wie dieser, aus dem Mund des Präsidenten der Vereinigten Staaten, lassen Schlimmes befürchten. George W. Bush sprach ihn am 17. Oktober 2007. Angesichts derartiger Äußerungen kommt Robert Redfords engagiertes Politdrama gerade recht.
'Von Löwen und Lämmern' ist der Antikriegsfilm des neuen Jahrtausends. 'Im Westen nichts Neues', 'Die Brücke', 'Apocalypse Now' oder 'Platoon' - sie alle hatten ihre dringende Notwendigkeit. Aber ihr Figurenpersonal war stets in Gut und Böse gespalten. Es gab einen Feind und eine moralische Instanz. Redfords Film schafft im Gegensatz dazu etwas Neues, den Zeitläuften Angemessenes. Die Konturierungen vergangener kriegerischer Auseinandersetzungen verschwimmen in den Zeiten des Terrors. Man sieht dem Verbrecher sein Tun nicht mehr an der Nasenspitze an. Was vielleicht auch daran liegt, dass niemand mehr ein klares Profil zeigt. Der junge, schneidige Senator, den Tom Cruise so wunderbar schmierig, siegesgewiss und doppelbödig gibt, ist kein Unmensch. Und sein Gegenüber, die erfahrene Journalistin (Meryl Streep), ist keine Heldin und tapfere Streiterin für das Gute.
Redford verweigert sich den klaren Zuordnungen, die das politische Kino des letzten Jahrhunderts benötigte. Das steigert die Verunsicherung - und schon tappt man dem gewieften Regisseur Redford in die Falle, der genau das beabsichtigte: Verstörung, Beunruhigung, Nachdenken und schließlich das Benennen einer eigenen Position. Klingt wie aus dem Lehrbuch für den politischen Filmemacher, und die beharrliche Dreiteilung stört mitunter in ihrer Vorhersehbarkeit. Dennoch ist der Kunstgriff gut gewählt, lässt er doch drei Lebensalter, Denkweisen und Erfahrungswelten aufeinanderprallen. Der kalifornische Professor ist von seinen lethargischen Studenten enttäuscht. Nur zwei wollen etwas bewegen und melden sich freiwillig nach Afghanistan. Die Journalistin hat viele Regierungen auf- und abtreten sehen und reagiert auf alles mit gebührendem Zynismus. Wirklich zynisch ohne es zu merken ist aber der Politiker, der sich auf seinem Weg ins Weiße Haus gerne als Feldherr betätigen möchte. Redfords Analyse seiner Nation ist scharfsinnig und intelligent. Gerade weil sie Fragen wie 'Wofür lohnt es sich zu kämpfen?' aufwirft - und glücklicherweise keine Antwort darauf findet.