Erwin Pelzig ist ein freundlicher, immer hilfsbereiter Zeitgenosse. Das weiß man aus den vielen Kabarettauftritten des Herrn Pelzig alias Frank-Markus Barwasser. Seit 1993 steht Barwasser als leicht tollpatschiger Franke auf der Bühne. Mit 'Vorne ist verdammt weit weg' wagen Barwasser und Regisseur Thomas Heinemann den Sprung des Charakters auf die Kinoleinwand. Nun sind Spielfilme bekannter Kabarettisten oder Comedy-Stars allzu oft bloße Nummernrevuen. Witzige Sketche und pointierte Dialoge zu schreiben oder eine durchgehende, 90 Minuten lang tragfähige Handlung zu ersinnen sind augenscheinlich sehr unterschiedliche Verfahren.
Auch in 'Vorne ist verdammt weit weg' bemerkt man in einigen Szenen das angestrengte Bemühen, die einzelnen Handlungsfäden zu einem mehrschichtigen Ganzen zusammenzuführen. Doch das sind nur kurze Augenblicke. Insgesamt ist Barwassers Kinodebüt eine solide gearbeitete, rundum gelungene, feinsinnige Gesellschaftskomödie voller klug beobachteter, entlarvender Momente. In kleinen Andeutungen gelingt es Barwasser und Heinemann, ihren Figuren Tiefe zu verleihen. Das zeigt sich besonders schön an Griesmaier (Peter Lohmeyer), dem gebeutelten Pelzig-Nachbarn. Pelzig möchte dem verbitterten Chauffeur nur ein wenig helfen. Schon ist die Nobelkarosse des Chefs zerstört und Griesmaier liegt im Krankenhaus. Damit der sechsfache Familienvater seine Stelle nicht verliert, vertritt ihn Pelzig. Lernt verwöhnte Firmenerben kennen und erfährt viel über die Produktion von Einkaufswagen. Rettet nebenbei die Arbeitsplätze aller Angestellten des Bieger-Werkes. Freundet sich mit der Edelnutte Chantal (Christiane Paul) an, die früher einmal Wirtschaftsanwältin war. Das alles präsentiert Heinemann in hohem Tempo und mit perfektem Timing - was über die kleinen dramaturgischen Durchhänger vollkommen hinweg tröstet.