Was das Herz begehrt
Besser geht's nicht mehr!
20 Jahre Privatfernsehen müssten eigentlich abgehärtet haben. Inzwischen dürfte vermutlich keine Obszönität mehr existieren, die noch nicht erschöpfend erörtert wurde. Man hatte sich daran gewöhnt, keine Tabus mehr gelten zu lassen. Doch wie rauschte der Blätterwald, als Uschi Glas sich letzten Sommer bis auf ein paar Stoffstreifen auszog. Wie entsetzte uns Zuschauer die splitterfasernackte Kathy Bates in „About Schmidt“. Plötzlich wird klar: Es gibt noch ein letztes Tabu auf dieser Welt, und das ist welkes Fleisch, textilfrei präsentiert.
Ihre Haut zeigt Diane Keaton jetzt in „Was das Herz begehrt“, weil sie eben trotz aller Falten genau das ist, was Jack Nicholson alias Harry Sanborn begehrt. Aber bis dahin dauert es etwa eine Stunde in dieser gelungenen Screwball-Komödie von Nancy Meyers („Was Frauen wollen“).
Harry Sanborn, ein erfolgreicher Plattenboss, hat ein Faible für junge Mädchen. Älter als 30 Jahre war nie eine Frau seines Herzens. Damit das auch so bleibt, schluckt Harry fleißig Viagra. Dies beschert ihm ausgerechnet im Ferienhaus seiner neuen Flamme einen Herzinfarkt. Während er dort seiner baldigen Genesung entgegendämmert, verliebt er sich allmählich in die Mutter seiner Freundin (Diane Keaton). Die ist eine berühmte Autorin, kultiviert und geistreich – und ungefähr in Harrys Alter.
Das ist genau der Stoff, aus dem die Stücke der Komödie im Bayrischen Hof geschneidert sind: ein bisschen anzüglich, ein bisschen konstruiert, ein bisschen banal. Trotzdem lacht man und verbringt dort einen Abend, der anschließend mit Adjektiven wie „nett“ beschrieben wird. Genau so verhält es sich mit „Was das Herz begehrt“.
Diane Keaton darf in ihrer Rolle endlich einmal von der hysterischen Großstadtneurotikerin zur Dame reifen, Jack Nicholson pflegt routiniert sein Image als alternder Querulant mit Charme. Die Dialoge sind akkurat und stets exakt auf die Pointen zugespitzt, das Tempo ist von Anfang an nahezu irrwitzig hoch und verliert sich bis zum Ende hin kaum. Die Kamera führt Michael Ballhaus mit der anscheinend nur ihm eigenen Eleganz.
Diese hübsche romantische Komödie greift nicht nur das normalerweise in Hollywood nicht existente Thema der Liebe zwischen Menschen jenseits des 50. Geburtstages auf, sondern bietet auch ansonsten sämtliche Ingredienzien einer unterhaltsamen Romanze. Dass sich „Was das Herz begehrt“ trotz der eher konventionellen und deutlich an US-Serien und –Sitcoms erinnernden Umsetzung aber so deutlich aus dem Meer an ähnlich gearteten Produktionen heraushebt, liegt an dem superben Zusammenspiel von Keaton und Nicholson. Zwischen ihnen entwickelt sich mehr, als jedes Drehbuch vorschreiben konnte, und jede Geste besitzt hochkomisches Potential. Kurzum: Die beiden lassen der Generation Viagra ihre Würde und geben sich dennoch angenehm selbstironisch. Die Alten sind hier nicht klüger als die Jungen – aber eben auch nicht lächerlicher.
infos über den film im internet: [ wasdasherzbegehrt-derfilm.de ]
kinostart: 12. februar 2004
[ Diese Filmkritik weiterempfehlen ]genre: Liebeskomödie
länge: 117 min
Original: Something's Gotta Give
Darsteller:
Jack Nicholson, Diane Keaton, Keanu Reeves,
Regie:
Nancy Meyers,
Drehuch:
Nancy Meyers,
Drehjahr: 2003 FSK: oA
Starttermin: [ Offizielle Website ]
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Jack Nicholson ist einfach der Beste! Ein toller Film!
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Tolle Darsteller, nette Story, aber ich hab Jack Nicholson schon besser erlebt!
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