Nur wenige hundert Wörter benötigte Maurice Sendak, um eine ganze Welt zu beschreiben. 1963 verfasste der amerikanische Illustrator und Kinderbuchautor sein schmales Bädchen 'Wo die wilden Kerle wohnen' und erschuf damit für Generationen von Kindern eine ganze Welt. Die Geschichte des frechen Jungen Max, der ohne Abendessen ins Bett geschickt wird und deswegen zu den wilden Kerlen segelt, ist bis heute ein einzigartiges Kinderbuch. Weil es seine Hauptzielgruppe, die mit überbordender Phantasie gesegneten Kinder, ernst nimmt. Mit all ihren Sorgen und Wünschen und Träumen. Auch den Alpträumen. 'Kindsein ist ein schrecklicher Zustand. Man kann sich nicht wehren', befand Sendak.
Jetzt hat sich Spike Jonze, seit 'Being John Malkovich' als originelles Regie-Wunderkind verschrien, dem Buch angenommen und es zu einem Film für die ganze Familie umgeformt. Mit einer überforderten, allein erziehenden Mutter (Catherine Keener) füllt Jonze seinen Plot, mit Rangeleien, ausgelassenen Spielen, Hüttenbauen, Eifersucht und Revierstreitigkeiten innerhalb der Kerle-Bande. Das passt gut zu der sehr knappen Vorlage, entspricht den heutigen Lebensumständen und ist harmonisch zwischen den Handlungsgrundfesten eingefügt.
Auch wenn im Vorfeld angesichts der wunderbaren Zeichnungen mit den herrlichsten Monstern aller Zeiten Skepsis angebracht sein mag, wie man das umsetzen kann - Spike Jonze hat es geschafft. Seine wilden Kerle vermitteln exakt das richtige Maß an Gänsehaut und Kuschelfaktor. Die in der 'Muppet'-Werkstatt ersonnenen Figuren überzeugen, auch in schnellen Bewegungen oder aus der Nähe. Jonzes Fantasywelt ist hübsch surreal und doch nicht zu artifiziell-abgedreht für die jüngeren Zuschauer. Eine der Vorlage rundum würdige Adaption.