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Das Wunder von Bern

Fußball-Weltgeschichte

Das Wunder von Bern, Louis Klamroth, Peter Lohmeyer, Kino, Kinoprorgamm, München Eine Brieftaube fliegt durch die Luft. Sie wird sehnsüchtig erwartet von ein paar Kinder. Aber sie bringt in dem an ihrem Bein befestigten Zettelchen schlechte Nachrichten: Rot-Weiß Essen hat gegen Alemannia Aachen verloren. Die Freunde sind enttäuscht, vor allem der elfjährige Matthias (Louis Klamroth) kann seine Tränen kaum zurückhalten. Sönke Wortmann ("Kleine Haie", "Der bewegte Mann") beginnt seine jüngste Produktion "Das Wunder von Bern" mit dieser Szene, und ein hübscheres Bild zu Beginn eines Films über Fußball lässt sich kaum denken. Der flatternde Vogel vor blauem Himmel, die gespannten Gesichtchen der Kleinen - Wortmann hat eine Menge Herzblut und Liebe in diesen Film einfließen lassen, und das merkt man spätestens nach drei Minuten. Toni Turek, Helmut Rahn, Fritz Walter, Otmar Walter, Werner Kohlmeyer, Horst Eckel, Jupp Posipal, Max Morlock, Karl Mai - bis heute gibt es viele Menschen, die noch die Mannschaftsaufstellung der legendären Elf von 1954 herunterrattern können. Der Sieg der Herberger-Truppe war damals tatsächlich eine Art Wunder für das vom Krieg gebeutelte Deutschland. Während Rainer Werner Fassbinder in "Die Ehe der Maria Braun" den WM-Sieg 1954 als den Gipfel der Verdrängung der NS-Zeit ansah, hat Sönke Wortmann jetzt für seine Variante dieses historischen Ereignisses einen anderen, weitaus versöhnlicheren Blickwinkel gefunden. Möglicherweise könnte sein wohl dosiertes Heldentum sogar der Anfang sein für ein neues nationales Selbstbewußtsein auf der Leinwand, ohne gleich in unangenehme Deutschtümelei zu verfallen.

Das Wunder von Bern, Louis Klamroth, Peter Lohmeyer, Kino, Kinoprorgamm, München Wortmann zeichnet eine Gesellschaft der schmal gehungerten Opfer, die langsam ihre seelischen Trümmer zusammenklaubt. Das mag man naiv finden, doch man kann Wortmann nicht absprechen, dass er geschickt große Gefühle beim Publikum wecken kann. Drei Erzählstränge hat er miteinander verwoben, rund um das Spiel der Spiele am 4. Juli 1954 im Schweizer Wankdorf-Stadion: Die Mannschaft, die vom ersten Training an allmählich zu einer stimmigen Einheit zusammenwächst; eine Bergarbeiter-Familie, die sich durch den erst jetzt aus der Kriegsgefangenschaft heimkehrenden Vater (Peter Lohmeyer) in ihrem Gleichgewicht gestört fühlt; und ein frisch vermähltes Paar, dessen Hochzeitsreise ausgerechnet in die Schweiz gehen muß. Wortmann formt aus diesen drei Geschichten sein in sanfte Farben getauchtes, historisches Märchen, das dank des clever konstruierten, pointensicheren Drehbuchs einen sehr straffen Spannungsbogen aufweist. Ein echtes Kunststück, schließlich verhält es sich mit der WM 1954 wie mit der "Titanic" - jedes Kind weiß heutzutage, wie's ausging. Die Geschichte der Familie des kleinen Matthias funktioniert gut als emotionales Bindeglied zwischen den anderen Szenen rund um das anfangs schauerliche Gekicke der Deutschen. Durch diese sehr gefühligen Passagen wird aus einem Fußballfilm, gedreht von einem Ex-Fußballprofi, tatsächlich ein stimmungsvoller Familienfilm, erzählt mit viel nostalgischer Wärme, Augenzwinkern und einer schon fast an Besessenheit erinnernden Sorgfalt. Zwar gibt es bis auf den verbitterten Vater, der bei der Heimkehr seine Frau nicht mehr erkennt, keinen Charakter mit Ecken und Kanten. Aber das war noch nie Sönke Wortmanns Spezialität. Und statt hier mit dem Versuch ausgereifter Figurenpsychologie zu scheitern, verlegte sich Wortmann lieber gleich konsequent auf das, was ihm am meisten liegt: elegante Bilderbögen für eine große Leinwand zu komponieren und eine Geschichte zu erzählen, die man schlimmstenfalls als amüsante, stellenweise etwas pathetische Unterhaltung diffamieren könnte. Aber wer will das noch tun, wenn einem spätestens das hysterisch-begeisterte "Aus, aus, aus, aus, das Spiel ist aus..."-Gebrüll des Reporters Herbert Zimmermann die Tränen der Rührung in die Augen treibt? Sport, man ahnte es immer, ist der allgegenwärtige Katalysator für echte Emotionen. Sönke Wortmann hat mit seinem "Wunder von Bern" diesem Phänomen ein herrliches, würdiges und anrührendes Denkmal gesetzt.

kinostart: 16. oktober 2003

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genre: Drama, Historischer Film, Sportfilm länge: 117 min Original: Das Wunder von Bern Darsteller: Peter Lohmeyer, Louis Klamroth, Lucas Gregorowicz, Das Wunder von Bern Regie: Sönke Wortmann, Das Wunder von Bern Drehuch: Sönke Wortmann, Rochus Hahn, Drehjahr: 2003 FSK: 6 Starttermin: 16.10.2003 Offizielle Website ]

wo läuft der film in münchen? [ Das Wunder von Bern im kinoprogramm ]

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Ein echtes Geschichtsdokument, perfekt inszeniert und spannend obwohl man das Ergebnis kennt!

sys-co sagt: e-bert sagt:

Perfekt gemacht, tolle altertümliche Fußballszenen!




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name:Matthias Kunkel
Kommentar:   Der schönste Film, den ich seit Jahren gesehen habe.
Bewertung:stern stern stern stern stern 
datum:16.11.2003 20:23

 

name:René
Kommentar:   ein toller deutscher film!
Bewertung:stern stern stern stern stern 
datum:03.11.2003 00:52


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