Zug des Lebens
Ein tragisches Märchen
den holocaust für die leinwand zu bearbeiten,
das war bisher selten ein vom erfolg gekröntes unterfangen. wie kann man
einer katastrophe dieses ausmaßes filmisch gerecht werden, und - darf
man das überhaupt? und wenn ja, dann auch noch als komödie?
ernst lubitsch hat mit seiner farce "sein oder nichtsein" maßstäbe gesetzt,
roberto benigni mit seinem kz-märchen "das leben
ist schön" in gewisser weise auch. vielleicht ist ein halbwegs
geglückter film zum thema "juden im dritten reich" nur einer, der gehörig
provoziert in seiner kühnheit, und vermutlich müssen sich die geister
an einem solchen film scheiden. an "zug des lebens" scheiden sie sich
garantiert. die geschichte spielt in einem
polnischen schtetl im jahre 1941: die nachricht vom heranrücken der deutschen
truppen beunruhigt die einwohner. ge-meinsam beschließt man einen tollkühnen
plan:
ein paar männer aus dem dorf verkleiden sich als deutsche ss-offiziere,
die restlichen dorfbewohner werden von den "falschen nazis" in einem güterzug
über rußland in die freiheit "deportiert".
eilig näht man uniformen, trägt vorräte zusammen und bemalt die waggons
des zuges als reichsbahn-wagen. die ss-männer
in spe lernen akzentfreies deutsch, und los geht die fahrt. doch schon
bald kommt es zu ersten schwierigkeiten innerhalb der gruppe: die uniformierten
nehmen sich ein bißchen zu ernst, die "deportierten" fühlen sich zu schlecht
behandelt, und der ortsansässige kommunist
sorgt zusätzlich für unruhe. das wahnwitzige abenteuer wird aber auch
immer bedrohlicher, da der seltsame zug in keinem der deutschen fahrpläne
aufgeführt ist und somit immer wieder von "echten"
ss-truppen angehalten wird.
eine nette geschichte hat sich der in frankreich lebende exilrumäne
radu mihaileanu da ausgedacht. mit oft absurdem
jüdischen humor erzählt er seine bemerkenswerte, ungewöhnliche variante
zur shoa. ein vergleich der spitzzüngigen dialoge mit dem frechen, anarchischen
witz benignis drängt sich auf, und doch wird man "zug des lebens" dadurch
nicht gerecht: mihaileanus story ist vielschichtiger
und stimmt - nicht nur der schlußpointe wegen - noch nachdenklicher.
infos über den film im internet: [ keine ]
kinostart: 23. märz 2000
wo läuft der film? - das sagt euch die süddeutsche: [ zug
des lebens ]
zug des lebens
besetzung: lionel abelanski, rufus, clément harari, marie-josé
nat, agathe de la fontaine, bruno abraham-kremer, michel muller...
regie: radu mihaileanu
drehbuch: radu mihaileanu
produzent: marc baschet, ludi boeken, frédérique dumas-zajdela, eric dussart
kamera: yorgos arvanitis,
laurent dailland schnitt:
monique rysselinck
musik: goran bregovic
frankreich 1999 genre:
drama/komödie
verleih: movienet
orginaltitel: train de vie
länge: 88min.
[ mehr bei imdb ]
<ug/mm>
ein märchen wie es besser nicht sein könnte! aber kann
man so die shoa abhandeln? man kann! wer es nicht glaubt bleibe
bis zum ende!
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toll. "das leben ist schön" hat mich bereits vom
hocker gerissen, dieser film gefällt mir fast noch besser!
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