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Haus der Kunst: BILD-GEGEN-BILD

Adresse:
Haus der Kunst
Prinzregentenstr. 1
80538 München

Stadtplan ]

tel: 089/211270
fax: 089/21127157
www.hausderkunst.de ]

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Stadtplan Haus der Kunst München     

Haus der Kunst - BILD-GEGEN-BILD

Diese Veranstaltung ist leider schon vorbei!
Termin: So 10.06.12 bis So 16.09.12

  

BILD-GEGEN-BILDDie Ausstellung stellt künstlerische Positionen vor, die sich kritisch mit der Darstellung von gewalttätigen Konflikten in den Medien befassen. Der adressierte zeitliche Rahmen reicht vom Irak-Krieg 1991 über die Anschläge auf das World Trade Center am 11. September 2001 bis zu den Ereignissen des Arabischen Frühlings 2011.

Da Bilder nicht isoliert wahrgenommen werden, sondern in Hinblick auf andere, schon bestehende, geht es bei den ausgewählten Werken auch um die Frage, in welcher Bildtradition sich eine Darstellung bewegt und welche Inhalte sie über das Einzelbild hinaus thematisiert. Der Titel BILD-GEGEN-BILD bezieht sich auf das Phänomen visueller Rüstungsspiralen, also auf die Tatsache, dass Medienbilder zueinander in Konkurrenz gebracht werden, sich gegenseitig verdrängen oder mit anderen Bildern 'bekämpft' werden.

Rahmen, Agenda, Selektion
Der "Rahmung" eines Geschehens als Bild kommt laut Susan Sontag eine entscheidende Bedeutung zu, denn Bilder haben Einfluss darauf, "welche Katastrophen und Krisen wir beachten, wofür wir uns interessieren, und letztendlich auch wie wir diese Konflikte bewerten."
Dass längst nicht jeder Konflikt ins Bild gesetzt wird, zeigt die Sammlung von Newsweek-Titelseiten der Monate April bis August 1994, die Alfredo Jaar angelegt hat (Untitled [Newsweek], 1994). Das Magazin widmete dem Massaker der Hutu an den Tutsi erst Anfang August eine Titelseite - als bereits eine Million Menschen ermordet worden und rund zwei Millionen Menschen aus Ruanda geflohen waren. Diese Serie von Titelseiten führt die Hierarchisierung von Nachrichten vor und formuliert indirekt Fragen nach der Agenda und Verantwortlichkeit von Journalisten.
Jasmila Žbanić stellt dieselbe Frage in ihrem Film "Images from the Corner" (2003) explizit und spitzt sie zu einer These zu: Ausländische Journalisten in Krisengebieten sind für die Regisseurin eine der Wunden, die ein Krieg der Bevölkerung setzt. Sie kommen und gehen mit dem Krieg: "Der Krieg zieht weiter zu anderen Orten, und die Kameras, Journalisten und Fotoreporter ziehen mit ihm, produzieren ihre Nachrichten und ihre neuen Bilder. Wir dagegen bleiben mit unseren zurück." Ihr Film greift ein Ereignis in Sarajewo aus dem Jahr 1992 auf: Ein französischer Bildjournalist fotografierte eine von einer Granate verwundete junge Frau, die um Hilfe schreiend auf der Straße lag. Jasmila Žbanić filmt die Stelle, wo die Verwundete lag und unterlegt dies mit den Geräuschen eines Fotoapparats, bei dem auf den Auslöser gedrückt und zweimal der Film gewechselt wird. Die Kameraeinstellung dauert so lange, wie der Journalist gebraucht hat, um drei Filme zu füllen.

Bildproduktion und Deutungshoheit
Die Berichterstattung in den Medien hat sich in den letzten zwanzig Jahren entscheidend verändert. Markante Eckpunkte sind der Zweite Golfkrieg von 1990/91, die Angriffe auf das World Trade Center in New York vom 11. September 2001, sowie die Bilder des Arabischen Frühlings 2011.
Auslöser des Zweiten Golfkriegs war die Invasion Kuwaits durch den Irak im August 1990. Die Angriffe des US-Militärs gegen den Irak begannen im Januar 1991. Um den Informationsfluss so zu kanalisieren, dass er den politischen Zielen der Militäroperation förderlich wäre, war den Einheiten des US-Militärs bereits im August 1990 ein Memorandum ("Annex Foxtrot") übermittelt worden. Nach den darin formulierten Vorgaben durften sich Reporter nur eskortiert bewegen ("News media representatives will be escorted at all times. Repeat, at all times"), und sämtliche Berichte unterlagen der Freigabe durch das Militär ("Reports reviewed by military censors"). Da sich die Berichterstatter kein unabhängiges Bild von den Ereignissen machen konnten, vermittelten die Medien das Bild eines 'sauberen' Krieges, von dem lediglich die Aktionen und Angriffe, aber nicht die Folgen gezeigt wurden. Die offizielle Bildproduktion bestand vorwiegend aus distanzierten Nachtaufnahmen, Monitor- und Fadenkreuzbildern.
Nin Brudermann nutzt in "Warten auf Krieg" (1998) Videomaterial solcher Liveübertragungen, entstanden im Dezember 1998 während der Operation Desert Fox. Die monochromen grünen Nachtaufnahmen zeigen irakische Ziele aus unterschiedlichen Perspektiven, die von vier großen Nachrichtenagenturen bereitgestellt wurden. Als Entsprechung für diese Gleichzeitigkeit der Bilder zeigt Nin Brudermann das Geschehen auf vier Projektionen. Die Kameraschwenks über irakische Ziele lassen einen Angriff erwarten und sind spannungsgeladen. Telegen inszenierte Explosionen, begleitet von den entsprechenden Geräuschen, und stille Passagen zwischen den Angriffen wechseln einander ab. Nin Brudermann bezeichnet diese Arbeit als "Kriegswerk", das "auf derselben spekulativen Spektakelwirkung beruht wie ein Feuerwerk."
Im Unterschied zum 'sauberen' Bild des Zweiten Golfkrieges wurden die Bilder der Angriffe auf das World Trade Center am 11. September 2001 weltweit auf zahlreichen Kanälen übertragen. Die Ereignisse waren dadurch sofort weltweit sichtbar und zeigten die Verwundbarkeit der USA und des kapitalistischen Systems. Hans-Peter Feldmann hat 151 Titelseiten internationaler Tageszeitungen, die am Tag nach den Angriffen erschienen, zu einer Serie zusammengefügt. Sie dient als einschlägiges Beispiel für die weltweite Vernetzung von Nachrichtenagenturen, die sich aus einem ähnlichen Pool von Bildern bedienen. Variationen ergeben sich in der Größe für den Abdruck, im Wortlaut der Überschriften und bei der Bewertung der Ereignisse - von einer Katastrophe apokalyptischen Ausmaßes über eine Kriegserklärung gegen die USA oder einem Angriff auf die von den USA repräsentierte Wirtschaftsordnung.
Zwei Tage, nachdem die USA und Großbritannien im Jahr 2001 begonnen hatten, Afghanistan zu bombardieren, fand John Smith auf dem Fernseher seines Hotelzimmers minutenlang ein Standbild vor. Die Bombardierungen Afghanistans, von denen der Sprecher berichtete, waren nicht zu sehen. Das still stehende Fernsehbild wurde für Smith zur Metapher für die Verunsicherung, die von den aktuellen Ereignissen ausgelöst wurde. "Die halbe Welt ist ein protziges Hotel, die andere Hälfte ein Trümmerhaufen", hat er über das Konzept seiner acht Videos mit dem Titel "Hotel Diaries" (2001-07) gesagt. Die Filme sind jeweils in Hotelzimmern gedreht. Ausgehend von vorgefundenen Gegenständen und Situationen entwickelt Smith seine Aussagen zum Weltgeschehen. Sie verleihen der Überzeugung Ausdruck, dass jeder Ort politisch ist und Bezug zu den Ereignissen 'draußen' hat.
Der libanesische Künstler Roy Samaha, früher Journalist für ABC, hat seine Eindrücke in einer persönlichen Erzählung verarbeitet. 2011, im Rahmen des Leica-Wettbewerbs "In the Footsteps of the Great Explorers", setzte er sich fotografisch mit der Revolution in Ägypten auseinander. Vor seiner Ankunft verfolgte er das Geschehen über Youtube und Twitter; als er ankam, waren Telefon und Internet abgestellt. Seine Bilder zeigen das Leben der Menschen in dieser Ausnahmesituation und erzählen eine Hintergrundgeschichte jenseits der Nachrichtenbilder.

Kriegsführung am Monitor
Das Künstlerduo Ben Langlands und Nikki Bell ist 2002 für Recherchen nach Afghanistan gereist und hat in Daruntah bei Jalalabad das ehemalige Wohnhaus von Osama bin Laden fotografiert. Dort hat sich bin Laden 1996/97 aufgehalten, dort soll er bereits die Anschläge des 9. September 2001 geplant haben. Der Film "The House of Osama Bin Laden" (2003) ist interaktiv angelegt, jedoch ohne die Erwartungen, die an ein Computerspiel gestellt werden, zu erfüllen: Die Räume des schlichten Landhauses bleiben menschenleer - nirgends zeigt sich ein potenzielles Opfer, das man virtuell töten könnte. Die Animation lässt die üblichen Stereotypen der Feinddarstellung vermissen und liefert ein Gegenbild zu den ideologisch überfrachteten Darstellungen, die damals in den Medien üblich waren.
Harun Farocki zeigt mit seiner Werkgruppe "Ernste Spiele", wie stark die Kriegsführung selbst heute virtualisiert ist. Er dokumentiert Schulungen von Soldaten in US-Militärstützpunkten und kombiniert dieses Material mit Computersimulationen. Basierend auf Satellitenaufnahmen von Afghanistan und Irak, dienen diese Simulationen der Vorbereitung auf Angriffe ebenso wie der Therapie posttraumatischer Störungen. Es fällt auf, dass bei Produzenten wie Anwendern dieser Software der Glaube an die Technik ungebrochen scheint, als könnten Simulationen eine wirkliche Hilfe bei der Vorbereitung und Verarbeitung von Erlebnissen sein.

Grenzen militärischer Technologie
Man geht allgemein davon aus, dass dem amerikanischen Militär die am weitesten entwickelten Techniken der Feindbeobachtung zur Verfügung stehen, und es dadurch überlegen ist. Wer jedoch den Beobachter beobachtet, kehrt die Machtverhältnisse um. In der Fotoserie "Limit Telephotography" (seit 2005) dokumentiert Trevor Paglen geheime US-amerikanische Militäranlagen. Die Fotografien dieser Serie sind mit Techniken aufgenommen, die ursprünglich für die Astronomie und Astrofotografie entwickelt wurden. Doch selbst diese Technik erlaubt aus einer Entfernung von bis zu 60 Meilen keine präzise Darstellung. Die Motive bleiben verschwommen. Auf diese Weise formuliert Trevor Paglen ein Paradox: Wer der Öffentlichkeit Informationen zugänglich machen will, die ihr nach demokratischem Verständnis zustehen, scheitert an den Grenzen der Technik.
Andere Künstler, die in der Ausstellung vertreten sind, nähern sich dem Thema mit systematischer Recherche. Bei Sean Snyder geht es um die Produktion und Weiterverarbeitung von Bildern mithilfe technischer Apparate. Das Künstlerduo bureau d'études zeigt in einer eigens für die Ausstellung produzierten Raum-im-Raum-Installation, auf welche Weise nicht-iranische Presseorgane und politische Instanzen 2011 den Iran dargestellt haben.
Die Mittel der Malerei nutzen Monika Huber, Wilhelm Sasnal und Radenko Milak. Alle drei verwenden für die hier gezeigten Werke von den Medien verbreitete Bildvorlagen (vom Fernseher abfotografierte Nachrichtenbilder, das im Internet veröffentlichte Bild des aufgebahrten Muammar al-Gaddafi, und den fotografisch dokumentierten Übergriff auf Zivilisten im ehemaligen Jugoslawien).
Insgesamt vereint die Ausstellung Werke von bureau d'études, Nin Brudermann, Harun Farocki, Omer Fast, Hans-Peter Feldmann, Téo Hernandez, Monika Huber, Alfredo Jaar, Adela Jušić, Radenko Milak, Langlands & Bell, Trevor Paglen, Thomas Ruff, Roy Samaha, Wilhelm Sasnal, Ahlam Shibli, John Smith, Sean Snyder, Thomson & Craighead und Jasmila Žbanić. Sie wird von Patrizia Dander, León Krempel, Julienne Lorz und Ulrich Wilmes kuratiert. Der Katalog, mit Essays von Georges Didi-Huberman, Tom Holert, David Levi Strauss und Marion G. Müller, sowie Kurzbeiträgen zu allen Künstlern der Ausstellung erscheint im Verlag der Buchhandlung Walther König.
Als Teil des Programms zu seinem 75-jährigen Bestehen eröffnet das Haus der Kunst am 9. Juni 2012 gleichzeitig die Ausstellung "Geschichten im Konflikt: Das Haus der Kunst und der ideologische Gebrauch von Kunst 1937-1955". Beide Ausstellungen befassen sich mit den Bereichen, in denen die globale Medienindustrie, künstlerische Reflexion sowie ideologische Macht zusammenlaufen. In einem zweitägigen Symposium geht es um die entsprechenden historischen und theoretischen Fragestellungen. Teilnehmen werden u.a. Harald Bodenschatz, Benjamin H.D. Buchloh, Klaus Bußmann, Chris Dercon, Georges Didi-Huberman, Karen Fiss, Monika Flacke, Walter Grasskamp, Hans Haacke, Tom Holert, Alfredo Jaar, W.J.T. Mitchell, Marion G. Müller, Trevor Paglen, Roy Samaha, Mark Wigley und Ulrich Wilmes. Anmeldung unter events@hausderkunst.de und Tel. 089 21127113.

BILD-GEGEN-BILD
10.06.12 - 16.09.12
Symposium am 9./10. Juni, 10 - 18 Uhr
Tag 1 BILD-GEGEN-BILD
Tag 2 Geschichten im Konflikt: Das Haus der Kunst und der ideologische Gebrauch von Kunst 1937-1955
Konferenzsprache: Englisch
Eintritt
2 Tage 50 Euro / Studenten 20 Euro
1 Tag 30 Euro / Studenten 10 Euro
jeweils inklusive Besuch aller Ausstellungen
Anmeldung erforderlich, bis 5. Juni unter events@hausderkunst.de oder Tel. 089 21127113
Akkreditierung für Journalisten unter presse@hausderkunst.de oder Tel. 089 21127115

Donnerstag, 14. Juni 2012, 20 Uhr
BILD-GEGEN-BILD Filmscreening
Audimaxx der Hochschule für Fernsehen und Film München
Gabelsbergerstraße 33
Eintritt frei, ohne Anmeldung
Filme in englischer Sprache
Eine Kooperation von Haus der Kunst und Hochschule für Fernsehen und Film München
Haus der Kunst und die Hochschule für Fernsehen und Film München kooperieren erstmalig anlässlich der Ausstellung BILD-GEGEN-BILD. Die Ausstellung stellt künstlerische Positionen vor, die sich kritisch mit der Darstellung von gewalttätigen Konflikten in den Medien befassen. Der adressierte zeitliche Rahmen reicht vom Irak-Krieg 1991 über die Anschläge auf das World Trade Center am 11. September 2001 bis zu den Ereignissen des Arabischen Frühlings 2011. In Anlehnung an diese Inhalte haben beide Häuser gemeinsam eine Auswahl von Filmen getroffen, die sich mit dem Leben in Kriegs- und Krisenzonen beschäftigen. Die Filme werden in zwei Blöcken vorgestellt. Teil 1 beschäftigt sich mit dem Alltag in Konfliktgebieten, Teil 2 mit den Nachwirkungen von Kriegen für die Betroffenen.

Teil 1: Leben in der Krisenzone
Die drei folgenden Filme widmen sich der Darstellung von Alltagssituationen in verschiedenen Krisengebieten (Israel/Palästina; Irak). In allen dreien wird das Absurde und Traumatisierende, das ein Leben im Krisengebiet mit sich bringt, sichtbar. Deutlich wird, dass eine klare Unterscheidung zwischen Täter/Opfer oder Freund/Feind in Kriegs- bzw. Krisensituationen schnell an ihre Grenzen stößt. Die Kamera dient als - bisweilen hilfloses - Instrument der Erkundung.

Details 2 & 3 (2004, 9:23 Min.)
Regie: Avi Mograbi
Seit 2003 arbeitet Avi Mograbi an "Details", einer ständig erweiterten Sammlung von kurzen Videos. Meist handelt es sich um Ausschnitte aus seinen Dokufictions, die punktuelle Ereignisse oder Begegnungen zeigen, Szenen aus Israel und den palästinensischen Gebieten. In einer bedrängenden Choreografie von Kamera und Mensch bringt Mograbi die Besatzersituation auf den Punkt: Der Künstler und politische Aktivist richtet seine Kamera auf israelische Soldaten, die palästinensischen Schulkindern den Übergang nach Haus versperren.

Qassam (2009, 20 Min.)
Regie: Ya'ir G Magall, Produzent: Markus Brandmair "Qassam" erzählt die Geschichte der israelischen Kleinstadt Sderot im nördlichen Gazastreifen. Seit September 2000 bis heute wurden über 10.000 Raketen auf Sderot abgeschossen. Die Einwohner der Stadt gehören unterschiedlichen Kulturen und politischen Richtungen an. Doch so verschieden sie sein mögen, sie haben eins gemeinsam: die tägliche Bedrohung, die eine Art Zerfall von innen verursacht. Ya'ir G. Magall lenkt den Blick auf die menschlichen Faktoren, die hinter der Oberfläche wirken, und fragt nach dem, was in den Köpfen der Bewohner vorgehen mag.

Searching for Hassan (2007, 63 Min.; evtl. nur Ausschnitt)
Regie: Edouard Beau
Beau sagt über die Dreharbeiten dieses Films: "November 2007, ich wurde gefragt ein kurdisches Bataillon der irakischen Armee zu besuchen und zu filmen. Das Bataillon ist in Mossoul stationiert. Ich habe 48 Stunden mich zu entscheiden. Ich entscheide mich dafür. Dort gibt mir ein Freund seine alte Hi8-Kamera mit 10 Bändern. Ich bin Fotograf. Ich habe noch nie irgendetwas gefilmt. Ich habe noch nie einen Kriegsschauplatz gesehen. Einen Monat lang bleibe ich in der Nähe der Soldaten und filme ihr tägliches Leben, allem zum Trotz. Langes Warten, Freizeit, endloses Umherstreifen durch die Stadt, auf der Suche nach unauffindbaren Terroristen."

Teil 2: Die Zeit danach
In den beiden nachfolgenden Filmen geht es um die Folgen von Konflikten für die Krisengebiete und ihre Bewohner. Beide Filme lassen sich unter dem Begriff "Perspektivwechsel" oder "Rückschau" zusammenfassen; beide arbeiten mit einer starken Bildsprache, z.B. bei der Reinszenierung von Angriffen mittels Medikamentenflaschen in Woman See Lot of Things. Gleichzeitig spielt das Erinnern, Vergessen und Verdrängen von Konflikten eine Rolle.

Sa Nule (1996, 9:27 Min.)
Regie: Marjoleine Boonstra
Dieser Kurzfilm entstand in einem Flüchtlingslager in Kuplensko, nahe der bosnisch-kroatischen Grenze. Mit fast aufdringlichen Nahaufnahmen aus der geschulterten Kamera porträtiert Boonstra Personen, die zum ersten Mal seit einem Jahr die Möglichkeit haben, ihr Gesicht vollständig in einem Spiegel zu betrachten. Eindeutig entsetzt über ihre gealterten, gezeichneten und abgemagerten Züge, wandern die Augen ruhelos entlang der Konturen des eigenen Gesichts, und die Selbstbefragung beginnt.

Woman See Lot of Things (2006, 65 Min.)
Regie: Meira Asher
In diesem experimentellen Dokumentarfilm geht es um drei ehemalige Kindersoldatinnen, die in den 90er-Jahren an den Bürgerkriegen von Liberia und Sierra Leone teilgenommen haben. Viele Mädchen wurden in diesen Bürgerkriegen entführt, vergewaltigt und zwangsrekrutiert. Andere meldeten sich freiwillig, weil sie sich davon Schutz versprachen, und wurden von allen Kriegsparteien als Kämpferinnen, Sexsklavinnen und Arbeiterinnen eingesetzt. Die Überlebenden blicken auf einen Prozess der Wandlung und Reife zurück. Anita Jackson, Mahade Pako und Chris Conteh haben unterschiedliche soziale Rollen im Krieg gehabt, und auch nach dem Krieg sind ihre Lebensumstände und Ansichten sehr verschieden. Der Film enthält sich der Interpretation und sensibilisiert den Betrachter für die Vergangenheit und Gegenwart dieser Frauen.






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