So lautete vereinfacht die Botschaft des französischen Bestsellers '39,90.-' von Frédéric Beigbeder. Mit seinem Erscheinen vor acht Jahren entwickelten sich die Bekenntnisse des Pariser Werbetexters zum Kultbuch. Direkt, zynisch und gut beobachtet rechnete Beigbeder mit seiner verlogenen, verkoksten Branche ab. So schonungslos, dass er prompt seinen Job verlor. Passenderweise hat sich mit Jan Kounen ein ehemaliger Werbefilm-Regisseur an die Verfilmung des Buchs gewagt. Mit großem Erfolg. Kounen, der mit vielen Kurzfilmen und seinem Spielfilmdebüt 'Dobermann' seinen Instinkt für enormes Tempo und schräge Einfälle bereits unter Beweis stellte, verleiht der geschwätzigen, selbstverliebten Beigbeder-Vorlage Tiefenschärfe - und Flügel. Mal verpackt er die Alpträume des designerbebrillten Beigbeder-Alter Egos Octave Parango (Jean Dujardin) in einen rasanten Clip, mal in einen Comic. Octaves Leben ist ein Rausch.
Bilderrausch wie Drogenrausch. Seine existentielle Krise übertüncht er mit Wein, Weib und Gesang. Die Hochglanz-Oberfläche modischer Accessoires kaschiert die eigentliche Leere in Octaves Dasein. Aus der an sich eher larmoyanten Geschichte destilliert Kounen durch geschicktes Weglassen, Straffen und Akzentuieren eine bunte, federleichte Gesellschaftskritik. Die Regieeinfälle sind phantasievoll bis ins kleinste Detail und sorgfältig arrangiert. '39,90.-' ist ein optisches Vergnügen, und der gelegentliche ästhetische Amoklauf entspricht exakt der polternden Buchvorlage. Die tricktechnischen Spielereien und die fast schon aggressive Kameraarbeit, gepaart mit einem musikalischen Mix aus Klassik, Techno und Kinozitaten sind als Kampfansage gegen den Konsum zwar nicht wirklich ernst zu nehmen. Bieten aber wenigstens etwas Diskussionsstoff.