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Anonyma

Eine Frau in Berlin

Anonyma, Kino, Kinoprogramm, München April 1945. Berlin liegt in Trümmern. Ängstlich warten Frauen und Kinder in den Luftschutzkellern auf das, was nun kommen mag. Es sind Nachbarinnen, Freundinnen, Witwen, Ehefrauen, junge Schönheiten und alte Vetteln. Sie warten auf ihre Männer, Väter, Verlobte, Schwager oder Brüder. Bald kommen uniformierte Männer in die Stadt. Nur leider sind es die falschen. Der Einmarsch der Roten Armee wird für manche Frau zum traumatischen Erlebnis, viele werden von den sowjetischen Soldaten vergewaltigt. So auch die knapp dreißigjährige Journalistin (Nina Hoss), eine selbst bewusste, intelligente Frau, die niemals namentlich genannt wird. Ihr energischer Wille, die eigene Würde zu bewahren, bringt sie zu einem verzweifelten Entschluss. Sie sucht sich einen ranghohen Offizier. Er soll sie vor den Zudringlichkeiten der anderen schützen. Als Gegenleistung teilt sie mit ihm das Bett, solange er in der Stadt ist.
Max Färberböcks Film basiert auf dem 2003 neu aufgelegten Tagebuch einer Zeitzeugin. Bereits Ende der Fünfzigerjahre wurde es anonym unter dem Titel 'Eine Frau in Berlin. Tagebuchaufzeichnungen vom 20. April bis 22. Juni 1945' veröffentlicht. Die Aufregung der Landsleute war groß. Ebenso wie im Film der aus dem Krieg heimgekehrte Gatte (August Diehl) nach der Lektüre der Aufzeichnungen ein empörtes 'Ihr seid schamlos!' hervorpresst, reagierte das Nachkriegsdeutschland mit theatralischer Geste. Eine deutsche Frau tat so etwas nicht! Doch welche Alternativen blieben den Frauen tatsächlich?

Färberböcks Film hakt an vielen Stellen, schönt und glättet zu viel, aber eines muss man ihm lassen: Er gewährt jenen, die nicht dabei waren, einen recht überzeugenden Blick auf die emotionalen Befindlichkeiten der Menschen am Rande der viel beschworenen Stunde Null. Wie lebte man inmitten von Ruinen, wie sah der Alltag aus, wenn eine Frau auf der Straße als Freiwild galt? 'Anonyma - Eine Frau in Berlin' vermittelt dank der großartigen Kameraarbeit von Benedict Neuenfels ohne viel Aufhebens einen nachhaltigen Eindruck. 'Wie frei man ist, wenn man nichts mehr hat', sinniert die junge Frau einmal. Genau dieses Losgelöstsein von allem, zugleich aber die Instabilität der sozialen Beziehungen, dazu die latent bedrohliche Situation der Frauen, all dies transportiert der Film überzeugend und subtil.
Färberböcks Blick auf die Figuren ist angenehm austariert. Geschickt stilisiert er weder den Alltag der Frauen zum hehren Opfergang noch die Sowjets zu rachsüchtigen Bestien. Mit feinem Einfühlungsvermögen setzt er Schlaglichter. Die Vergewaltigungsszenen gestaltet er fern jedes Voyeurismus.
Die beklemmende Wirkung verdankt der Film überwiegend den Off-Kommentaren der Anonyma. Färberböck verlässt sich zu Recht, aber oft auch viel zu ausschließlich, auf die Wirkung der Notizen dieser lebensklugen Frau. Deren scharfsinnige, trockene Pointen sind das eigentliche Skelett des Films. Wenn sie gegen Ende des Spielfilms seltener werden, rutscht die Geschichte schnell ab ins Sentimentale.
Dass eine Liebesgeschichte aus dramaturgischen Erwägungen notwendig erscheint, ist nicht zu verurteilen. Doch indem er die Prostitutions- in eine Liebesgeschichte verwandelt, verwässert der Film das emanzipatorische Potential, das sich im Tagebuch andeutet.
Hoss und Evgeny Sidikhin, zwei wahrlich exzellente Darsteller, retten so manche vor Kriegskitsch nur so tropfende Szene. Ihre schnellen, kurzen Blicke sagen mehr als die geschwätzige, aufdringliche Musik vermitteln kann. Doch die eifersüchtige Sowjetmieze als Gegenspielerin im Liebeskampf um den hoch gesinnten Major oder das junge Nazipärchen auf dem Dachboden, das hätten Färberböck und Rohrbach sich sparen müssen. Das ist rührselige, erschütternd naive Schmonzette.

Infos über den Film & Trailer im Internet: [ anonyma.film.de ]

Kinostart: 23. Oktober 2008

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Ein Film, der die 'Stunde Null' in Berlin in ein neues Licht taucht und die Wirklichkeit zwischen den Ruinen der Stadt zeigt!

sys-co sagt: e-bert sagt:

Ein eindrucksvoller Film, der viele Einblicke präsentiert, aber auch leider teils etwas ins Seichte abgleitet!

Anonyma - Eine Frau in Berlin - Trailer

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genre: Drama, Kriegsfilm länge: 131 min Original: Anonyma - Eine Frau in Berlin Darsteller: Nina Hoss, Jördis Triebel, Yevgeny Sidikhin, Anonyma - Eine Frau in Berlin Regie: Max Färberböck, Anonyma - Eine Frau in Berlin Drehuch: Max Färberböck, Drehjahr: 2008 FSK: 12 Starttermin: Offizielle Website ]

wo läuft der film in münchen? [ Anonyma - Eine Frau in Berlin im kinoprogramm ]

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name:Sebastian roiger
Kommentar:   Ist ein sau geiler Film zeigt die seiten des krieges
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datum:08.11.2008 13:34


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