Kristin Scott Thomas ist seit Hollywood-Melodramen wie 'Der englische Patient' oder 'Der Pferdeflüsterer' auf die Rolle der von Tragik umwobenen Frau jenseits der Vierzig abonniert. Ihr ernster, zwischen Wehmut, Sinnlichkeit und gespannter Erwartung changierender Blick verhilft ihren Figuren zu einer modernen Gebrochenheit, die angenehm wenig mit der Theatralik früherer Tragödinnen gemein hat. Gelitten wird heutzutage still, ohne viel Aufhebens, zwischen Pausenbrote-Schmieren, Halbtagsjob und Friseurtermin-Vereinbaren. So ergeht es der Arztgattin Suzanne in dem herben Drama 'Die Affäre' auf den ersten Blick nicht schlecht: Großes Haus, attraktiver Mann, nette Kinder.
Die Leere inmitten dieser Musterfamilie illustriert Regisseurin Catherine Corsini nebenbei, beim lieblos abgespulten Essen oder abends, wenn die Eheleute nicht mehr wissen, worüber sie sprechen sollen. Als Suzanne den Gelegenheitsarbeiter Ivan (Sergi Lopez) trifft, überwältigen sie die Emotionen. Zuvor in der Midlife-Crisis, lässt sich die noble Gattin mit Haut und Haaren auf die Beziehung ein. Bricht alle Brücken ab, zieht aus der eleganten Villa in die winzige Wohnung Ivans. Doch die Liebe wird von allen Seiten torpediert. Die Kinder bocken, der Ehemann dreht den Geldhahn zu und verhindert dank seiner Beziehungen eine Anstellung Ivans oder Suzannes. Der wilde Elan des Liebespaares wird aufgebraucht durch die ständige Geldnot. Corsini findet beklemmend drastische Szenen für die sich immer auswegloser zuspitzende Situation. 'Ohne Geld gibt es keine Liebe', sagt Nina Hoss in Christian Petzoldts 'Jerichow'. Corsinis großartige, klug nuancierte Tragödie zeigt, wie sehr dieser Satz stimmt.