Was spielte sich ab hinter den Mauern des königlichen Palastes nach dem Tod von Lady Di? Als die Nachricht vom Autounfall Dianas und Dodis am 31. August 1997 eintrifft, gerät nicht nur ganz Großbritannien in einen Ausnahmezustand, irgendwo zwischen Trauer und Massenhysterie. Nur die königliche Familie verschanzt sich auf dem Sommerschloss Balmoral, weit entfernt von dem minütlich anwachsenden Blumenmeer vor dem Londoner Buckingham Palace. Eine Woche lang gibt es keine offizielle Reaktion der Queen, keine Fahne wird auf Halbmast gesetzt, keine Fernsehansprache absolviert.
Die Monarchie geriet in diesem 'annus horribilis' der kaltherzigen Reaktion der Königin wegen arg ins Zwielicht. Der frisch ernannte Premierminister Tony Blair sah sogar 'ein konstitutionelles Desaster' zum Greifen nahe. Genau hier setzt Stephen Frears Spielfilm 'The Queen' an.
Der jüngste aller britischen Prime Minister (Michael Sheen) zittert vor seinem Antrittsbesuch, der auch prompt schief geht. Nicht nur, weil die Queen Vorurteile gegenüber dem 'Modernisierer' hegt und sich süffisant erkundigt, ob man dem Mann mit den 'amerikanischen Umgangsformen' vielleicht vor dem Termin noch rasch das Protokoll zuschicken sollte. In der Tat: Verbeugungen, Hofknicks, in die Knie gehen, rückwärts den Raum verlassen, Handkuss feucht oder trocken. Man kann viel falsch machen bei Königs zuhause. Doch man kann auch viel falsch machen, indem man die Zeichen der Zeit verkennt. Und so öffnet der junge Premier Elizabeth II. sehr beharrlich die Augen, als jene sich verrennt in den Gedanken, Trauer sei eine Privatangelegenheit. Blair ist es, der die Queen schließlich dazu bringt, Flagge zu zeigen. Auf Halbmast, versteht sich. Für die Familie. Für das Volk. Für die Mutter ihrer geliebten Enkel.
Frears ästhetisch eher konventionell gefertigter Film zeigt den frühen Blair in strahlendem Licht. Gleichzeitig übt er vernichtende Kritik am heutigen Bush-Kumpan, dessen innenpolitische Träume zerplatzt sind. Blair hat damals zwar richtig reagiert, lautet die Aussage des Regisseurs. Doch parallel zeichnete sich bereits in dieser Frühphase der Blair-Regierung ab, wie schnell aus einem netten Kerl, der von allen geliebt werden möchte, ein Macht versessener Opportunist werden kann.
'The Queen' ist ein emotionales, fein nuanciertes Kammerspiel, dessen Plot die Zeitgeschichte schrieb. Das Drehbuch dazu ergreift nicht einfach Partei, sondern zeigt eine vielschichtige Studie über Gefühle und Macht.
Intelligent verbindet Frears in 'The Queen' in Bezug auf die Monarchie das Affirmative mit dem Kritischen, schlussendlich bestäubt mit einer Prise gelassener Ironie.
'Schwer ruht das Haupt, das eine Krone trägt', heißt es bei Shakespeares 'Heinrich IV'. Wie sehr das auch auf Elizabeth II. zutrifft, zeigt Frears Film und insbesondere Helen Mirrens großartige Interpretation der Titelrolle.
Durch winzige Gesten, scheinbar ohne Anstrengung, lässt sie aus dem sehenswerten Spielfilm ein Meisterwerk entstehen. Mirren zeigt in einem Moment den Menschen hinter der monarchischen Maske. Im nächsten Augenblick führt sie dem Zuschauer das Lächerlich-Anachronistische, aus der Zeit Geworfene dieser Royals vor, die nur noch für die Klatschpresse von Bedeutung sind. Ein reiner, ungetrübter Genuss.