Bis zum 10. März 2003 waren die Dixie Chicks eine Country-Band aus Texas. Drei hübsche, unpolitische junge Mädels, die mit netten Liedchen Millionen verdienten. An diesem Tag allerdings trat die Damencombo in London auf. Tagsüber protestierten die Menschen gegen den unmittelbar bevorstehenden Irakkrieg. Die Stimmung war aufgeheizt und Leadsängerin Natalie Maines verkündete abends unter großem Beifall, sie schäme sich, dass der Präsident der Vereinigten Staaten aus Texas stamme. Die Bemerkung war so dahin gesagt, ein kleiner Satz in der Moderation zwischen zwei Songs. Doch er löste ein mediales Erdbeben aus.
Die Dokumentarfilmerinnen Barbara Kopple und Cecilia Peck, Tochter von Gregory, waren zufällig im Konzertsaal. Eigentlich wollten sie 'nur' ein Porträt drehen. Aber unversehens stolperten sie in ein wesentlich spannenderes Thema. Statt einer konventionell-wohlwollenden Band-Doku geriet ihr Film zu einem faszinierenden Plädoyer für das Recht auf freie Meinungsäußerung. Denn die sprachen viele Amerikaner den Dixie Chicks nach diesem Auftritt ab. Die bis dato von allen Geliebten wurden als Landesverräterinnen beschimpft, in von regionalen Fernsehteams begeistert begleiteten Aktionen vernichtete man Dixie Chicks-CDs und -Bilder. Die Hassmails wollten kein Ende mehr nehmen.
Auch den Titel des Films, 'Shut up and sing', was soviel heißt wie 'Klappe halten und singen', brüllte ein empörter Patriot ins Telefon. Kopple und Peck sind von Anfang dieser 'Bush-Krise' in der Karriere der Dixie Chicks an mit dabei. Bis zu ihrem Ende. Drei Jahre lang verfolgten die Filmemacherinnen die Schwestern Martie Maguire und Emily Robison sowie Natalie Maines mit der Kamera. Beim Proben, Texten, Diskutieren mit dem Manager. Beim Frühstücken, Abendessen, auf Tour nachts im Hotelzimmer, zuhause und im Kreißsaal. 'Shut Up & Sing' zeigt, in verwackelten Handkamera aufnahmen ebenso wie in gestochen scharfen Konzertmitschnitten, dass sich diese Frauen nicht mundtot machen lassen. Das überraschte Erschrecken angesichts der organisierten CD-Verbrennungen, der Boykott-Aktionen der Radiosender und der in den Keller stürzenden Verkaufszahlen ist zwar deutlich zu erkennen. Auch das ungeschickte Lavieren der Mädchen, die sich anfangs nicht recht entscheiden können, ob sie fortan lieber angepasst oder rebellisch sein möchten. Aber man erkennt auch die wütende Empörung darüber, diese primitive Hetzkampagne ertragen zu müssen. Und in der Wut definiert sich die Truppe allmählich neu. Die Regisseurinnen zeigen, wie sich die Dixie Chicks von unsicheren Musikerinnen ohne wirkliche politische Meinung zu selbstsicheren Künstlerinnen mit Sendungsbewusstsein mausern. Was die Zeitläufte am Ende doch belohnten, wie die letzten Szenen dieses clever entlarvenden Zeitdokuments zeigen.
infos über den film & trailer im internet: [ dixiechicks.com ]
Kinostart: 09. August 2007
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Ich finde es großartig, wie die Mädls in dieser Krise gewachsen sind und wie sie auf ihre Art für die freie Meinungsäußerung gekämpft haben!
Ich denke eher, die sind da in etwas reingrutscht, was Sie so nicht erwartet haben! Aber ein spannender Film über stupiden Patriotismus in den USA!