Eine möglichst authentische Abbildung der Wirklichkeit, das ist es, was Regisseur Michael Winterbottom sucht. In jedem seiner inzwischen sehr zahlreichen Filme aufs Neue. Was ihm in 'In This World' gelang und was man in '9 Songs' oder 'Road to Guantanamo' noch als spannendes Experiment hinnehmen konnte, ist in 'Ein mutiger Weg' gründlich daneben gegangen. Wobei auch ein gescheiterter Film Winterbottoms noch sehenswerter ist als viele thematisch ähnlich gelagerte Produktionen, die in der letzten Zeit zu sehen waren.
Zweifellos ist es enorm ehrenwert, dass Winterbottom nicht der Versuchung erlag, aus der Geschichte über die schwangere Journalistin Marianne Pearl, deren Mann und Kollege Daniel in Pakistan von Terroristen entführt und schließlich ermordet wird, einen rührseligen Heuler zu machen. Potential dazu hätte der Plot gehabt. Und wenn die heftigst chargierende Angelina Jolie am Ende herzerweichend den Tod des Gatten beklagt, gerät der Film auch schon gefährlich nahe an diese schmierige Grenze des Sentimentalen.
Eigentlich geht es Winterbottom aber um anderes: Mit schnellen Schnitten und wackelnder Handkamera versucht er, die aufgeheizte, hysterische Stimmung nach den Anschlägen am 11. September 2001 einzufangen.
Die echte Marianne Pearl hat ein Buch über die Ereignisse geschrieben, um ihrem Sohn den unbekannten Vater nahe zu bringen. So verwundert es nicht, dass Winterbottoms Film seine stärksten Momente hat, solange er der Vorlage nahe ist und aufzeigt, wie die große Politik ins kleine Leben des Bürgers einbricht. Wenn plötzlich eine Kohorte an Ermittlern und Diplomaten bei der schwangeren Mrs. Pearl am Frühstückstisch sitzt. Diese Bruchstellen sind so spannend, dass das Format der klassischen Dokumentation genügt hätte. Auf die fiktiven, überemotionalen und unnötig verwirrenden Sequenzen darf Winterbottom im nächsten Film gerne wieder verzichten.