Über 100 Verdächtige gab es schließlich. Aber keinen Täter. Bis heute ist nicht geklärt, wer damals im Winter 1922 auf dem niederbayerischen Einödhof Hinterkaifeck eine sechsköpfige Bauernfamilie nebst Magd auslöschte. Ungelöste Rätsel dieser Art lassen die Spekulationen wild wuchern, und so sind über den geheimnisvollen Mordfall mittlerweile mehrere Bücher geschrieben worden, sogar eine Webseite existiert. Im Herbst wird eine thematisch ähnliche Verfilmung des Bestsellers 'Tannöd' von Andrea Maria Schenkel in die Kinos kommen.
Esther Gronenborns Verfilmung des Plots ist unter dem Titel 'Hinter Kaifeck' bereits jetzt zu sehen. Gronenborn, die 2001 mit ihrem Debüt 'alaska.de' auf sich aufmerksam machen konnte, verknüpft den in ihren Spielfilmen typischen Realismus mit Horrorelementen und alten Bauernlegenden. Ergebnis ist eine anfangs zumindest schön gruselige, soghafte Verflechtung von Traum und Wirklichkeit sowie insgesamt drei unterschiedlichen Zeitebenen.
Der Fotograf Marc (Benno Fürmann) und sein Sohn Tyll fahren zwischen den Weihnachtsfeiertagen und Neujahr quer durch Niederbayern, auf Motivsuche für einen Bildband. Am Ende eines langen Tages bleiben sie im Kaff Kaifeck hängen. Die dem Aussehen nach eher nach Berlin Mitte denn in die niederbayerische Ödnis passende Juliana (Alexandra Maria Lara) gewährt ihnen Quartier. Und von nun an häufen sich die Merkwürdigkeiten. Marc wird von Alpträumen geplagt und fühlt sich magisch angezogen von dem verlassenen Gehöft mitten im Wald. Die maulfaule Einwohnerschaft reagiert ebenfalls merkwürdig auf die Ankunft der Fremden.
Esther Gronenborn beginnt ihren Horrorfilm in der ersten Hälfte äußerst verheißungsvoll, indem sie die Geschichte clever aus verschiedenen Perspektiven erzählt. Technische Finessen wie die gemäßigte Zeitlupe oder die Farbfilter sorgen für eine stimmige, anspruchsvolle Schauermär. Allerdings versandet die ambitionierte Genreproduktion leider schon weit vor dem albernen Schluss in einem bloßen Abfotografieren diverser Gruselmotive.