Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr...
Wenn ich doch nicht reich wär...
Alle glücklichen Menschen gleichen sich bekanntlich, während bei den Unglücklichen jeder auf seine ganz eigene Weise unglücklich ist. Die in Frankreich lebende italienische Schauspielerin Valeria Bruni-Tedeschi („Die zweite Chance“, „Vergiss mich“) hat sich für ihr Debüt als Regisseurin und Drehbuchautorin eine ganz besondere Form des Unglücks ausgesucht – den überbordenden, alle Grenzen der Vorstellungskraft sprengenden Reichtum.
Bruni-Tedeschi selbst hat die Hauptrolle der Enddreißigerin Federica übernommen, die vor allem ein Problem umtreibt: Sie ist reich. So reich, dass nicht einmal ihre Enkel das gesamte Vermögen ausgeben können, so sehr sie sich auch bemühen sollten. Kein echtes Problem, denkt man sich als Normalsterblicher ohne Jaguar und Stadtpalais in Paris. Und im Grunde auch kein wirklich sympathisches Thema, was einem da aufgetischt werden soll. Es liegt allein an Bruni-Tedeschis Gespür für Nuancen, für Zwischentöne und ziselierte Gesten, dass einem Federica und ihre gesamte, leicht bis stark gestörte Familie ans Herz wachsen und man sich hineinziehen lässt in diese Welt der Nobelkarossen, Gold durchwirkten Tapeten und Designerhandtaschen.
„Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr“ lautet der Filmtitel, und das Bibelzitat ließe sich vervollständigen mit „...als ein Reicher in das Himmelreich“. Genau das ist die größte Sorge der gläubigen Katholikin Federica, die zum Beichten geht wie andere zum Kaffeeautomaten. Das bringt einige sehr komische Szenen mit sich, doch letztlich ist Valeria Bruni-Tedeschis Erstlingsfilm eine Tragödie. Sanft melancholisch erklärt sie die Welt aus Federicas Augen und thematisiert einige durchaus allgemein gültige Alltagsdramen: Das langsame Sterben des geliebten Vaters, die Rivalität mit der jüngeren Schwester, die Suche nach dem richtigen Partner fürs Leben, die Frage nach Vorhersehung und Schicksal. Dies alles umreißt Bruni-Tedeschi nicht immer elegant, aber stets sehr schwungvoll, treffend und klug.
infos über den film im internet: [ movienetfilm.de ]
kinostart: 26. februar 2004
[ Diese Filmkritik weiterempfehlen ]genre: Biografie, Drama
länge: 110 min
Original: Il est plus facile pour un chameau...
Darsteller:
Valeria Bruni-Tedeschi, Chiara Mastroianni, Jean-Hugues Anglade,
Regie:
Valeria Bruni-Tedeschi,
Drehuch:
Valeria Bruni-Tedeschi, Noémie Lvovsky, Agnès de Sacy,
Drehjahr: 2003 FSK: 6
Starttermin: [ Offizielle Website ]
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Ein sehr interessanter Ansatz! Geld macht eben nicht glücklich!
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Die Thematik ist doch etwas seltsam und an den Haaren herbei gezogen!
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