Es war einmal im Juni 2003. Die junge Hausfrau Stephenie Meyer träumte von einem Paar: Sie ist Schülerin, scheu und unscheinbar, er formvollendet, wunderschön - und ein Vampir. Zwölf Wochen später, so will es die 'Twilight'-Legende, war der erste Band 'Twilight - Bis(s) zum Morgengrauen' fertig. Vier dicke Wälzer hat die Mormonin Meyer mittlerweile auf den Markt geworfen, jeder von ihnen ein Bestseller. Die Bände 'Bis(s) zum Morgengrauen', 'Bis(s) zur Mittagsstunde', 'Bis(s) zum Abendrot', 'Bis(s) zum Ende der Nacht' ähneln sich nüchtern betrachtet stark: Immer geht es um das zwischen der phantastischen Vampir- und der realen Welt strauchelnde Liebespaar Bella und Edward, um den rivalisierenden Werwolf Jacob, um Sex oder Enthaltsamkeit, um schmachtende Blicke und scheue Küsse im Auto. Über 50 Millionen Bücher hat Meyer inzwischen verkauft. Vorwiegend an Frauen zwischen 13 und 30 Jahren, was angesichts des jungmädchenhaft-holden Inhalts kaum verwundert. Als emotionaler Notausgang in ökonomischen Krisenzeiten stand die Fantasy-Lektüre schon seit Zeiten von 'Herr der Ringe' hilfreich bereit. Die Reihe der US-Autorin Meyer ist ein ähnlich kulturell und zeitlich gebundenes Phänomen, im Gegensatz zu Tolkien oder zu Joanne K. Rowlings 'Harry Potter' allerdings genderspezifisch sehr einseitig besetzt: Die Fans sind nahezu ausnahmslos weiblich, Teenager und gegebenenfalls noch ihre Muttis. Die lesen nicht nur gern, sondern sehen sich einen Film auch gerne mehr als einmal an. Anders lassen sich die phänomenalen Zahlen, die der ersten Kinofassung beschieden waren, kaum erklären: Über 376 Millionen Dollar hat die erste Verfilmung bis heute weltweit eingespielt. Nicht schlecht, wenn man bedenkt, dass die Produktionskosten nur 37 Millionen Dollar betrugen.
Der erste Teil der 'Twilight'-Saga wurde von Catherine Hardwicke geschickt und stimmig verfilmt. Clever straffte sie die geschwätzig-langatmige Buchvorlage, fügte Nebenfiguren in eine Krimihandlung ein.
Aber Hardwicke durfte den zweiten Teil nicht mehr bearbeiten. Auch wenn es bei derartigen Fortsetzungsfilmen nicht von hoher Bedeutung ist, wer gerade auf dem Regiestuhl sitzt, bemerkt man in 'New Moon - Bis(s) zur Mittagsstunde' doch, dass Chris Weitz ('Der goldene Kompass') mit der literarischen Vorlage noch weniger anfangen konnte als seine Vorgängerin. Und Meyers tranigen Sentenzen im Gegensatz zu Hardwicke nicht einmal ein wenig ironische Distanz entgegensetzen konnte oder durfte. Für das ausufernde Buch findet Weitz absolut keine überzeugende filmische Vision. Die Dialoge triefen vor bedeutungslosem Kitsch. Gebetsmühlenartig wiederholen Edward (Robert Pattinson), Bella (Kristen Stewart) und Jacob (Taylor Lautner) ihre Liebesschwüre. So oft, so gedehnt und so schlicht, dass sich wirklich nur sehr sehr junge, noch sehr sehr züchtige Mädchen angesprochen fühlen könnten. 'Biss zur Mittagsstunde' war schon das schwerfälligste weil handlungsärmste Buch der Reihe, und seine Existenz ist angesichts des nachfolgenden, den Bella-und-Edward-werden-bald-miteinander-schlafen-Handlungsstrang erneut repetierenden dritten Band 'Bis(s) zum Abendrot' auch nicht wirklich schlüssig. Bis zum Hochzeitsnacht-Finale auf der einsamen Insel wird also noch ein weiterer, vermutlich ähnlich belanglos-modischer Schmachtfetzen zu überstehen sein.