600 Kühe hatte sie früher zu versorgen, erklärt die blonde Eva leichthin. 'Dein Vater hatte 600 Kühe' staunt da der Schweizer Senner Daniel (Stefan Gubser) bewundernd. 'Nee, die LPG', gibt Eva zurück. Schon in den ersten Sätzen wird der Unterschied zwischen den beiden deutlich, der sich leitmotivisch durch den Film zieht: Die Mittdreißigerin aus dem Brandenburgischen verschlägt es der Arbeit wegen ins ferne Berner Oberland. Eva ist gelernte Melkerin und hat vieles ausprobiert. Der schweigsame Almbauer Daniel, dessen Frau aus der Stille der Berge in die Stadt abgehauen ist, sucht eine Arbeitskraft. Tatsächlich suchen beide viel mehr, aber es dauert einen knappen Film, bis sie das auch finden.
Drehbuchautorin und Regisseurin Tamara Staudt, die selbst früher auf einer Alp arbeitete, hat spürbar viel Erfahrung in ihre sanft melancholische Liebesgeschichte einfließen lassen. Die für einen Spielfilm extreme Authentizität ist auch Kameramann Michael Hammon und Cutter Jörg Hauschild zu verdanken, zwei Stammspielern von Deutschlands Kino-Naturalist Nummer Eins Andreas Dresen. 'Nur ein Sommer' funktioniert daher nicht nur als unprätentiöse, kleine feine Romanze, sondern auch als Quasi-Dokumentation über das moderne Almleben, zwischen Kühemelken, Käsemachen und Candlelightdinner.