'Schuld sind immer die anderen.' Den Satz könnte jede Figur dieses französischen Familiendramas gesagt haben. Zwar sieht es anfangs anders aus und man begrüßt sich mit Küsschen rechts und links, aber insgeheim wünschen alle Akteure den anderen die Pest an den Hals. Was dem dritten Spielfilm des Regie führenden und schauspielenden Erfolgspaares Agnès Jaoui und Jean-Pierre Bacri erst so richtig Pfeffer verleiht. Mit dem gewohnt dialogreichen, mit präzise gearbeiteten Wortgefechten prunkenden 'Erzähl mir was vom Regen' begeben sich Jaoui und Bacri dramaturgisch wie inhaltlich wieder in die Nähe ihres allseits gefeierten, herrlich lakonischen Debütfilms 'Lust auf Anderes'.
Die ehrgeizige Politikerin Agathe Villanova (Jaoui) zieht für einige Wochen in ihr Heimatdorf nach Südfrankreich. Natürlich nicht, um Schwester, Schwager und deren Kinderschar zu sehen oder das Haus der verstorbenen Mutter leer zu räumen, wie behauptet. Sondern ausschließlich, weil sie für den aktuellen Wahlkampf auf Stimmenfang gehen will. Der abgehalfterte Filmemacher Michel Ronsard (Bacri) wittert seine Chance, ein Porträt über Villanova zu drehen. Aber daran, dass alle schwärenden Wunden wieder aufplatzen, sind nicht nur die dilettantischen Fragen Ronsards schuld.
Es geht um alte Träume und neue Wünsche, um Emanzipation, Würde und Anerkennung. Am Ende muss der Zuschauer in diesem Gewirr an Meinungen und Vorwürfen selbst entscheiden, wer Recht hat. Die Regisseure enthalten sich klug jeder Parteinahme, kommentieren die Wertvorstellungen der Charaktere nicht, denunzieren auch die aberwitzigsten Ansichten nicht Von kleinen Schwächen des Leerlaufs abgesehen ein heiteres, amüsantes Lehrstück zum Thema 'Gelebte Gleichberechtigung'.