Wer wenn nicht wir
Die RAF holt auf
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Bis vor einigen Jahren war der Nationalsozialismus noch das beliebteste Thema im deutschen Kino, sobald es um Vergangenheitsbewältigung ging. Seit Uli Edels 'Baader Meinhof Komplex' ist nun auch der Deutsche Herbst wieder mehr ins Blickfeld der Öffentlichkeit geraten. Seit Fassbinder haben sich viele Regisseure mit dem Sujet befasst. Die Liste reicht von Volker Schlöndörff bis Christian Petzold und Christopher Roth, und jeder rückte in einer höchst unterschiedlichen Umsetzung einen vollkommen anderen Aspekt in den Mittelpunkt. Dokumentarfilmer Andres Veiel, der seit seinem großartigen 'Black Box BRD' als profunder Kenner der RAF gelten darf, befasst sich in seinem ersten Spielfilm 'Wer wenn nicht wir' weniger mit der Wirkung der RAF als mit dem privaten Vor-Leben der späteren Terroristen. In klar pointierten Szenen zeigt Veiel anhand der Biografien von Gudrun Ensslin und Bernward Vesper, wie eine Terroristin entsteht - und ein Mensch sich langsam selbst zerfleischt.
Wie präzise und sezierend Veiels Blick dabei ist, zeigen bereits die ersten Bilder: Das schutzlose Vögelchen fällt aus dem Nest. Die Katze kommt. Zack, weg ist der Vogel. Doch die Grausamkeit liegt nicht in diesen Bildern, sondern erst in der nachfolgenden Szene zwischen Vater Will Vesper, dem früheren Blut-und-Boden-Dichter, und seinem kleinen Sohn Bernward.
In prägnanten Schlaglichtern beleuchtet Veiel das Leben zweier Menschen, die all das neu definieren wollten, was zuhause an Verknöcherung und Verbiesterung existierte.
Dem Film gelingt es sehr überzeugend, die Charaktere und ihre Utopien begreifbar zu machen. Besonders August Diehl als von Ängsten und Zorn getriebener Bernward Vesper liefert hier als an seinen Ansprüchen scheiternder Schriftsteller eine meisterhafte Vorstellung ab.
Lena Lauzemis brilliert daneben als getriebene Ensslin, die aus lauter Wut über ihren Vater, der in der Nazizeit sehenden Auges zum Mitläufer wurde, als fanatische Mitläuferin Baaders endet.
Andres Veiel hat sich für seinen Spielfilm an der Studie 'Vesper, Ensslin, Baader - Urszenen des deutschen Terrorismus' von Gerd Koenen orientiert. Und so akzentuiert Veiel auch das Bild Andreas Baaders deutlich anders als bisher im Kino üblich: Alexander Fehlings Baader hat herzlich wenig gemein mit dem Macho-Baader bei Uli Edel, den Moritz Bleibtreu als Wumme schwingenden Cowboy der Sechziger gab. Sein androgyner Geselle mit dem flirrenden Blick, den sprunghaften Reden, den flatternden Seidenhemden und dem betörenden Augenaufschlag verströmt doch eher das irritierende Charisma, dem eine Frau wie Ensslin damals tatsächlich verfallen konnte. So bleibt, auch wenn der Film streckenweise in exzellente aber leider zu wenig miteinander verbundene Einzelszenen zu zerfallen scheint, eine neue, frische und bemerkenswerte Sicht auf ein bekanntes Sujet.
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Großartig! Einer der besten Filme über die RAF! Präzise und spannend!
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Wirklich in Stück deutsche Geschichte im Kino! Absolut herausragend gemacht!
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[ Diese Filmkritik weiterempfehlen ]genre: Drama
länge: 126 min
Original: Wer wenn nicht wir
Darsteller:
August Diehl, Lena Lauzemis, Alexander Fehling,
Regie:
Andres Veiel,
Drehuch:
Andres Veiel,
Drehjahr: 2011 FSK: 12
Starttermin: 10.03.2011 [ Offizielle Website ]
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